Große Begeisterung bei Kaminer-Lesung

Mit der Bemerkung, er sei beeindruckt, dass ganz Karlstadt gekommen sei, kommentierte Wladimir Kaminer am Anfang der Lesung die Tatsache, dass der Historische Rathaussaal mit ca. 260 Gästen fast ausverkauft war. Mit dieser und ähnlichen verschmitzt geäußerten Bemerkungen sorgte der Erfolgsautor von Beginn an für eine ausgelassene Stimmung im Publikum. Publikumsäußerungen wie die von N. Hombach, welche nach der Veranstaltung bemerkte, sie habe durchgehend lachen müssen, zeugen vom hohen Unterhaltungswert von Kaminers Vortragsweise.

Kernpunkte der Lesung waren mehrere Geschichten aus seinem im März erschienenen Buch „Goodbye Moskau“, in dem er in seiner bekannt ironisch-witzigen Art eine gesellschaftspolitische Analyse seiner Heimat liefert. Unter die Lupe und auf den Arm genommen werden sowohl typisch russische Lebensumstände und Gepflogenheiten als auch immer wieder die noch deutlich spürbaren staatlichen Strukturen aus der Ära des politischen Sozialismus. Insbesondere Präsident Putin steht wiederholt im Fokus der zwar amüsant geschriebenen aber dennoch nicht minder ernst zu nehmenden Betrachtungen.

Insbesondere aber die spontanen Überleitungen und unvermittelten Unterbrechungen durch unverhoffte Zwischenbemerkungen des Autors machten den besonderen Reiz der Veranstaltung aus. Wie etwa in Ergänzung zum ersten Kapitel seines neuen Buches, in dem der SIL-Moskau, ein mehr als 60 Jahre altes Kühlschrankmodell aus sowjetischen Zeiten, als Metapher für eine überlebte Grundstimmung in seiner alten Heimat dient. Darin erfuhr der Zuhörer, dass man sich im Falle eines Angriffs mit Nuklearwaffen im Kühlschrank vor der Strahlung schützen konnte wie in einem Atombunker. Spontan führte Kaminer zum hier verarbeiteten und in Russland weit verbreiteten Gerücht, viele Gebrauchsartikel des Alltags seien mit der Idee einer militärischen Zweitnutzung konstruiert worden, an, die sowjetische Standard-Nudel sei stets in Kaliber 7,62 Millimeter produziert worden.

Mitunter ließ er das Publikum mitentscheiden, mit welcher Geschichte die Lesung weitergehen solle. Dabei erzählte Kaminer auch die ein oder andere Anekdote aus seinem Privatleben aus dem Stegreif und gab mit zwei Geschichten auch Kostproben noch unveröffentlichter Texte.

Zwei ausführliche Artikel in Mainpost und Main-Echo liefern weitere Einzelheiten zur Veranstaltung.

Über ein Feedback zur Veranstaltung über die Kommentarfunktion (siehe unten: „Kommentar hinterlassen/verfassen“) bzw. über die LesART-Umfrage würde sich das LesART-Veranstaltungsteam sehr freuen!

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